Blog
4. Juli 2026

Komm spielen

Wenn die Idylle zum Albtraum wird: Eine Rezension zu Linwood Barclays „Komm spielen“

Linwood Barclay ist bekannt für seine rasanten Vorstadt-Thriller, doch mit „Komm spielen“ schlägt der Bestsellerautor überraschend unheimliche Töne an. Der Roman bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen nervenaufreibendem Psychothriller und klassischem Mystery-Horror im Stile eines frühen Stephen King.

Worum geht es?

Hinter der Kinderbuchautorin und Illustratorin Annie Blunt liegt ein Horrorjahr: Erst verunglückt ein Kind, weil es eines ihrer Bücher zu wörtlich nimmt, kurz darauf stirbt auch noch ihr Ehemann bei einem bizarren Unfall. Um der Trauer und einer massiven Schreibblockade zu entfliehen, flüchtet sie mit ihrem kleinen Sohn Charlie aus dem hektischen New York in das beschauliche Städtchen Castle Creek.

Doch die erhoffte Ruhe bleibt aus. Kaum angekommen, häufen sich in dem idyllischen Ort merkwürdige, fast schon groteske Unfälle. Als Charlie im Schuppen ihres Ferienhauses eine alte Modelleisenbahn entdeckt und völlig darin versinkt, beginnt die Realität vollends zu bröckeln. Annie wird von unheimlichen Wahrnehmungen geplagt, Menschen verschwinden, und eine knochenlose Leiche wird gefunden. Schnell wird klar: Castle Creek birgt ein düsteres Geheimnis – und Charlie gerät mitten in die Schusslinie.

Eine meisterhafte Mischung aus Thriller und Horror

Barclay baut die Spannung in diesem Buch bewusst langsam und subtil auf. Die Bedrohung schleicht sich auf leisen Sohlen in die Geschichte ein. Der Autor nutzt dabei geschickt zwei parallel laufende Erzählstränge: Auf der einen Seite erleben wir Annies wachsende Paranoia im Ferienhaus, auf der anderen Seite begleiten wir den Polizeichef Harry Cook im nahegelegenen Ort Locknow, der mit bizarren Phänomenen und verschwundenen Personen kämpft.

Das verbindende Element – so viel sei verraten – hat mit Zügen und einem unheimlichen Modelleisenbahnverkäufer namens Edwin Nabler zu tun. Nabler verströmt Vibes einer klassischen Stephen-King-Bösewichtsfigur, was der Geschichte eine wunderbar schaurige Atmosphäre verleiht.

Figuren, die ans Herz gehen

Die größte Stärke des Romans liegt in seiner emotionalen Tiefe. Annies Trauma und ihre tief sitzende Angst, nach ihrem Mann auch noch ihren Sohn zu verlieren, sind greifbar und authentisch beschrieben. Die Dynamik zwischen Mutter und Sohn trägt die Geschichte selbst in den Momenten, in denen der Plot ins Übernatürliche oder Horroreske abdriftet.

Kritikpunkte

Der Wechsel zwischen den Handlungssträngen sorgt zwar für eine hohe Dynamik, allerdings erfährt der Leser durch die Perspektive des Täters recht früh, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht. Das nimmt dem klassischen Whodunit-Rätsel ein wenig den Wind aus den Segeln, verlagert die Spannung dafür aber erfolgreich auf die Frage: Wie und wann bricht das Unheil über Annie und Charlie herein?

Fazit

„Komm spielen“ ist kein typischer Barclay-Thriller, sondern ein extrem atmosphärischer Mystery-Horror-Mix. Wer subtile Gänsehaut, clevere Wendungen und eine Prise „Akte X“-Feeling sucht, wird hier bestens bedient. Ein verdammt starker Page-Turner, der zeigt, dass Barclay auch das unheimliche Fach meisterhaft beherrscht.

Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️◻️ (4,5 von 5 Sternen)

Zurück

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Bei der Übermittlung Ihrer Nachricht ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Sicherheitsüberprüfung

Ungültiger Captcha-Code. Versuchen Sie es erneut.

Logo

©2026 Bahnhofsbuchhandlung Herford.  Alle Rechte vorbehalten.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.